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Wie kommt es allgemein zu Enttätuschungen?

Wie kommt es zu Enttätuschungen?

Ich bin sehr sehr oft in meinem Leben enttäuscht worden. Und ich denke nicht, dass ich die einzige auf der Welt bin.

Gedanken wie "Warum immer ich?" - "Womit hab ich das verdient?" - Was ist mit mir nicht in Ordnung?" haben mich nun viele Jahre gequält.

Oft wurde mir gesagt dass ich meine Erwartungen nicht so hoch stecken soll,  meine Ansprüche an das Leben, Arbeit, Freunde, Familie und Partnerschaft runterschrauben soll.

Ich war nicht bereit dazu. Ich sah es überhaupt nicht ein. Ich wollte immer das Beste vom Besten, weil ich der Meinung war, dass ich es verdient habe, und nicht einsehen wollte, warum ich mich mit weniger zufrieden geben sollte.

Filme, Bücher, Zeitungen,.... sie alle gaukeln einem vor, dass dies die richtige Einstellung sei, um glücklich im Leben zu werden. 

Die Wahrheit ist jedoch: Es gibt nichts, was perfekt ist. Noch nicht mal ich selbst, obwohl ich es immer versuche. Ich versuchte, mich perfekt zu verhalten, um mir selbst das Recht einzuräumen, Perfektion von anderen zu erwarten. Die Folge davon: Ich konnte mir und anderen keine Fehler verzeihen. Wer nicht perfekt war, war nichts wert. Was nicht perfekt war, war auch nichts wert.

Dinge, und Menschen in seinem Leben um sich herum haben wollen, die Perfekt sind, führt im Endeffekt dazu, dass man am Ende eigentlich gar nichts hat.

Aber was ist perfekt? Wer gibt das Maß vor, an dem man messen kann ob etwas nicht perfekt ist? Perfekt hieß für mich immer Makellos, ohne Fehler. Wie konnte ich bloß auf den Gedanken kommen, dass Perfektion - in meinem Sinne - überhaupt existiert?

Ich habe eben mal die Definition des Begriffes Perfektion bei Wikipedia nachgeschaut und dort steht:

die Vollkommenheit oder die Vollendung von etwas, also etwas, das sich nicht weiter verbessern lässt

 Was wäre, wenn wir einen Partner hätten, an dem sich nichts weiter verbessern lassen würde? Würden wir damit zufrieden sein, bis an unser Lebensende?

Ich glaube nicht....

Wer hat nicht schon einmal einen Herzenswunsch gehabt, der so groß war, dass man glaubte "Wenn dieser Wunsch erfüllt ist, bin ich anschließend wunschlos glücklich" und dem war anschließend nicht mehr so?

Als ich 24 Jahre alt war, habe ich nicht verstehen können, wie andere über ihr Gehalt meckerten, ich war froh überhaupt einen Job zu haben. Ich empfand das gemeckere als undankbar, da ich mich wirklich sehr abgestrampelt hatte. Ich dachte auch, wenn ich nur 200 Euro im Monat mehr verdienen würde, hätte ich keine Geldsorgen mehr.

Heute, mit 32 verdiene ich 500 Euro mehr als damals mit 24, und es reicht mir immer noch nicht. 

Mit eine meiner Aufgaben in meinem Job sind Prozessverbesserungen. Und ich muss gestehen, dass mir diese Arbeit immer viel Spaß gemacht hat. Zu gucken, wo kann man noch was verbessern? Oder Reklamationen zu bearbeiten, Differenzen zu suchen.... das alles hat mir immer viel Spaß gemacht.

Würden die Prozesse auf der Arbeit ihre Perfektion erreichen, so hätte ich diesen Spaß ja gar nicht mehr....

Natürlich waren Differenzen immer das tollste, da man in der Buchführung immer Schwarz auf Weiß sehen kann, ob alles richtig ist. Dachte ich mal :-)

Auch darin können sich Fehler verstecken, die man nicht sofort erkennt, nur weil sich Soll und Haben "perfekt" ausgleicht....

Mir kommt die Perfektion mittlerweile so engstirnig vor, sie schränkt mein Leben ein und sie  gibt mir das Gefühl nichts wert zu sein.

Ich erkenne, dass gerade die Dinge, die nicht Perfekt sind, mir die Augen öffnen und einen weiteren Blick verschaffen.

Und nun zurück zu den Enttäuschungen: Werde ich weiterhin so enttäuscht werden, wenn ich keine Perfektion mehr von mir und anderen Erwarte? Ich hoffe es nicht..... ich werde es ausprobieren...

 

29.8.09 11:27

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